Samstag, 1. September 2007

Hamamatsu nach einer Woche




Das neuste von weit weit weg

Eine Woche Arbeit liegt hinter mir und es ist Zeit ein erstes Fazit zu ziehen

Arbeitszeit und Arbeit
Auf meinem Plan, den ich am ersten Tag ausgehändigt bekommen hab steht folgendes:
8 Uhr Arbeitsbeginn – 16:30 Arbeitsende dann in welcher Abteilung ich bin.
Praktisch gestaltet das sich aber so, dass mein Zeitplan so aussieht:
7:30 Moritz betritt das Werksgelände
7:40 Moritz ist an seinem Arbeitsort in der Umkleide angekommen
7:45 Moritz ist in Uniform am Arbeitsplatz
7:50 Allgemeine Pflichtmorgengymnastik mit Auszubildenen
8:00 Morgenapell (Alle stehen auf und werden vom Ranghöchsten Mitarbeiter auf Anwesenheit geprüft – Anschließend Berichte des Neusten (glaub ich jedenfalls- Sprachprobleme) – Gemeinschaftliches Verbeugen.
8:10 Moritz versucht sich mit den nicht ausgelasteten Mitarbeitern zu unterhalten
8:30 Moritz wird zum Einsatzort gebracht, wo er bis zum Mittagessen eine Führung bekommt und dazwischen immer wieder Tee und Kaffeepausen macht (so ca die hälfte der Zeit)
11:30 Moritz wird zu seinem Schreibtisch gebracht und ca 30min lockere Unterhaltung mit Mitarbeitern des Education Centers 8Ausbildungswerkstatt wo mein Schreibtisch steht)
12:00 Hastiges Aufbrechen zur Kantine und Essen im Japanischen Sauseschritt.
12:30 Mittagspause am Arbeitsplatz- entspantes nichtstun oder versuch der Unterhaltung
13:00 siehe 8:10
13:30 siehe 8:30
16:00 Heimkehr zum Schreibtisch
16:30 GONG und Anwesenheitskontrolle durch ranghöchsten Mitarbeitern
16:40 Uniform aussziehen und richtung Werkstor
16:50 Moritz verlässt Werksgelände
17:30 Es fängt an zu Dämmern

Helmpflicht und Arbeitslosigkeit?
Dieses Kapitel soll eigentlich die Merkwürdigkeiten des Japanischen Arbeitsleben herausstreiche, bitte nicht überbewerten, da es echt nur ein Ausschnitt ist.

Die Japaner brüsten sich damit dass sie nur 4% arbeitslosigkeit haben:
Meine Erfahrung ist diese:
– Wachmänner am Eingangstor in Deutschland ca. 1 in Japan ca. 5 (es wird ja jeder persönlich begrüßt)
– Empfangspersonal in Gebäuden in Deutschland max. 1 in Japan pro Stockwerk mindestens 3 (was die Damen in Uniform machen ist mir allerdings schleierhaft)
– Baustellensicherheitsaufpasser in Deutschland gar keiner und in Japan mindestens 1 (nach größe der Baustelle- Diese kümmern sich darum das die Baustellenarbeiter nicht aus versehen in Passanten rennen.

Hier knüpft auch schon der nächste Punkt an: Was haben die Baustellenaufpasser auf dem Kopf?
Ja natürlich ein Helm, obwohl diese nur auf dem Bürgersteig aufpassen. Aber nicht nur hier findet sich diese in Japan wohl geliebte Kopfbedeckung- Der Helm ist ein Ausdruck der Arbeit.. So ist bei meiner Company Helmpflicht sobald man das sichere Büro verlässt...es könnte einen ja der Himmel auf den Kopf fallen. Also beim Weg aus einem Büro ins nächste bitte Schutzbrille und Helm nicht vergessen. Der Himmel fällt allerdings nur während der Arbeitszeit runter- zur Mittagspause braucht man keinen Helm für den gleichen Weg.

Sprachprobleme

Das wohl größte Hindernis der Kommunikation. Denn in Hamamatsu spricht man nicht Englich, obwohl Englisch eine sehr moderne Sprache ist. Es ist In in Englisch zu schreiben, Verpackungen haben Engliche Namen, selbst die einzelnen Werkstätten sind in Englisch und Japanisch beschriftet, es bestehen viele Anleitungen in Englischer Schrift, es gibt Wortlisten für Fachwörter in Englisch NUR ALLEIN es kann keiner Englisch!!!!
Die Mitarbeiter die etwas Englisch können ( so ca 2-3 Jahre Schulenglisch) werden dann auch gleich auf mich angesetzt und verbringen mit mir dann die Arbeitszeit als Guide. Das geht dann so:
“My name is Suzuky and you?” - ich: My name is Moritz- “ OOOHH Morizo. Do you she??” - ich: Ähhhh excuse me I don't understand- “ Understand??????” - ich: no! Do you she! No! Iie! - Tipp in Übersetzungsgerät: “ Girlfriend!” - ich: Ah! No no girlfriend- “OOOHH no she” ....
Die beliebtesten Ausgaben aus dem Übersetzngsgeräten sind übrigens: A sort of, a kind of.... was mal wirklich überhaupt keine Aussagekraft hat.

Das größte Problem an sich ist aber das die Schrift eine andere ist. So kann das tolle Übersetzungsgerät nur Japanische schriftzeichen in Englische wörter übersetzen. Will ich etwas sagen wie: Zug überetze ich es erst ins Englische: Tippe in das Gerät “train” und raus kommt eine unbestimmte menge an Japanischen schriftzeichen : TOLL !! Damit kann ich mal gar nix anfangen- also irgendwem zeigen.

Nächtlicher Ausflug = ohne Arbeit gehts auch?

So jetzt komm ich also so um 5 Uhr von der Arbeit, draußen ist es noch um die 33 Grad und Moritz will noch was machen...leider ist es schon Dunkel bevor er sich richtig sortiert hat. Also raufs aufs Rad und erstmal immer gradeaus und gucken wo mensch raus kommt. So geschehen gestern! Ob das so eine Gute Idee war mal mitten drauf los zu fahren in Dunkeln ohne eine Ahnung zu haben wo man ist und wo man ankommt? Naja nach ca. 5 Min Fahrhrzeit kam ich an eine Steile Brücke über die shinkansen schienen mit einem Schild Durchfahrtverboten für ????? (Japanische Schriftzeichen! - ich also erstmal rechts ab und dne nächsten Tunnel zur Unterführung genommen.
Irgendwo gradeaus muss ja mal das Meer kommen. Also immer weiter auf der ungewohnten linken Strassenseite. Irgendwann war ich mitten in irgend welchen Feldern (Reis?) und ca. Zu dieser Zeit hatte das Lich an meinem Rad keine Lust mehr und hinten am Horizont fing es an zu Blitzen. ABER da musste doch irgendwo das Meer sein! Hmm erstmal weiter. Wieder ein paar Häuser. Dann war die Strasse zuende. Meersuche gescheitert zurück anderen Weg (etwas unfreiwillig)
Irgendwie hab ich dann doch wieder zurückgefunden nach dem ich ein Hotel mit Roten Fenstern passiert hatte. Ja vielleicht doch besser am Wochenende mal herausfinden wo ich wirklich bin!

Ergaenzung: Ich hab nochmal nachgeguckt ich muss echt kurz vorm Meer umgedreht sein

Essen a la Japan

Natürlich gibt es in Japan auch Brot, Nudeln, Kartoffeln- aber es gibt vor allem Reis!
Wer zu Mc Dreck will kann das natürlich tun, es gibt auch andere Ketten. Aber wenn ich hier die Bekochung vollkommen ausreize sieht mein Speiseplan so aus: (Vorweg: das hab ich genau einen Tag durchgehalten) Frühstück: 1 Schale Suppe mit Gemüse drin, sehr sehr ungewürzt
1 Schale mit Reis, 1 Schale mit Gemüse dazu eine Schale mit Fisch oder Fleisch oder anderem undefinierbaren teils glibrig teils fest.
Um es kurz zu machen, das ganze wiedrholt sich zum Mittagessen und zum Abendessen 7 Tage die Woche!
Da das Frühstück einfach praktisch ist und das Mittagessen unausweihlich gibt es bei mir seit dem 2ten Arbeitstag abends immer irgendwelche Sandwiches vom Laden nebenan.
3x am Tag eine Hauptmahlzeit ist einfach zuviel und dann immer wieder das gleiche.
Das mit den Stäbchen hab ich inzwiscen eigentlich recht gut drauf und ich hab sogar gelernt damit zu zerteilen: Die Regel ist die: Alles was man zerschneiden kann beißt man einfach ab ;-)


Allerdings war ich grade erstmal in einer Baeckerei mir was zum Mittag holen :-)

Gruß aus Japan
Moritz